Kirchliche Trauung: evangelisch, katholisch oder ökumenisch.
Wer kirchlich heiraten kann, welche Unterlagen ihr braucht, was im Traugespräch passiert und wie Kirche und Standesamt zusammenhängen.
Kurz gesagt
Rechtlich wirksam ist in Deutschland nur die Ehe vor dem Standesamt; die evangelische und die katholische Kirche trauen in der Regel erst danach. Sprecht den Termin früh mit dem Pfarrbüro ab. Mindestens eine oder einer von euch sollte der Kirche angehören. Vor der Trauung gibt es ein oder mehrere Traugespräche, für die ihr meist eine aktuelle Taufbescheinigung braucht.
Für viele Paare gehört der Segen in der Kirche zur Hochzeit dazu. Die kirchliche Trauung ist ein Gottesdienst, den ihr gemeinsam mit einer Pfarrerin, einem Pfarrer oder einem Diakon vorbereitet. Was genau gilt, regeln die Kirchen und oft auch die einzelnen Gemeinden. Dieser Artikel gibt euch den Überblick, die verbindlichen Antworten bekommt ihr im Pfarrbüro.
Wie Kirche und Standesamt zusammenhängen.
In Deutschland wird eine Ehe rechtlich nur vor dem Standesamt geschlossen. Eine Trauung allein in der Kirche hat keine Wirkung im staatlichen Recht, etwa bei Steuern oder Rente. Die evangelische und die katholische Kirche trauen deshalb in aller Regel Paare, die schon standesamtlich verheiratet sind. Manche legen beides auf denselben Tag, andere feiern die kirchliche Trauung einige Tage oder Wochen nach dem Standesamt.
Wer kirchlich heiraten kann.
-
Evangelisch
Mindestens eine oder einer von euch muss Mitglied der evangelischen Kirche sein. Ihr könnt in eurer Gemeinde heiraten oder nach Absprache in einer anderen Kirche. In der Evangelischen Kirche von Westfalen (Bielefeld, Gütersloh, Herford, Münster) und in der Landeskirche Hannovers (Osnabrück) können auch gleichgeschlechtliche Paare kirchlich heiraten.
-
Katholisch
Mindestens eine oder einer von euch ist katholisch. Ist die andere Person nicht getauft, ist eine Trauung mit einer besonderen Erlaubnis trotzdem möglich. Wer schon einmal verheiratet war, auch nur standesamtlich, klärt früh im Pfarrbüro, ob eine kirchliche Trauung möglich ist. Die katholische Trauung ist Paaren aus Mann und Frau vorbehalten; für gleichgeschlechtliche Paare bieten manche Bistümer Segensfeiern an. Fragt in eurer Gemeinde nach.
-
Ökumenisch
Gehört ihr verschiedenen Konfessionen an, heiratet ihr in einer der beiden Kirchen, und eine Geistliche oder ein Geistlicher der anderen Kirche kann mitwirken. Kirchenrechtlich ist es dann eine evangelische oder eine katholische Trauung. Ist eine oder einer von euch katholisch und ihr heiratet in der evangelischen Kirche, braucht es dafür eine Erlaubnis der katholischen Kirche.
Der Weg zur Trauung.
-
10 bis 12 Monate vorher
- Wunschkirche und Termin mit dem Pfarrbüro absprechen
- Klären, wer euch trauen soll: die Gemeinde vor Ort oder eine Geistliche bzw. ein Geistlicher, die oder den ihr kennt
-
3 bis 6 Monate vorher
- Im Pfarrbüro fragen, welche Unterlagen ihr braucht
- Auf Wunsch einen Ehevorbereitungskurs buchen; Bistümer und Bildungshäuser bieten welche an
- Musik, Texte und Lieder sammeln, die euch etwas bedeuten
-
1 bis 3 Monate vorher
- Traugespräch, oft in zwei Terminen: Formalien und Gestaltung
- Aktuelle Taufbescheinigungen besorgen
- Ablauf, Lieder und ein mögliches Liedheft abstimmen
-
Am Tag
- Trauzeug:innen und Ringe nicht vergessen
- Heiratsurkunde oder Stammbuch mitbringen, wenn das Pfarrbüro darum bittet
Unterlagen, die ihr meistens braucht.
- Personalausweise
- Eine aktuelle Taufbescheinigung aus der Gemeinde, in der ihr getauft wurdet. Wie alt sie sein darf, legt die Gemeinde fest; in Gemeinden der Region sind es zum Beispiel drei oder sechs Monate am Tag der Trauung.
- Die Heiratsurkunde oder eine Bescheinigung über die standesamtliche Eheschließung, wenn ihr schon verheiratet seid
- Bei früheren Ehen weitere Nachweise; klärt das früh im Pfarrbüro
Was im Traugespräch passiert.
Das Traugespräch ist keine Prüfung. Die Pfarrerin, der Pfarrer oder der Diakon möchte euch kennenlernen, die Formalien klären und mit euch den Gottesdienst planen: Ablauf, Lieder, Lesungen, Trauspruch und wer mitwirkt. Bei einer katholischen Trauung wird dabei das Ehevorbereitungsprotokoll ausgefüllt. Bringt gern Ideen mit, etwa Texte oder Musik, die euch etwas bedeuten.
Häufige Fragen.
Muss man vor der kirchlichen Trauung standesamtlich heiraten?
Staatlich vorgeschrieben ist die Reihenfolge nicht mehr, rechtlich wirksam ist aber nur die standesamtliche Ehe. Die evangelische und die katholische Kirche trauen in der Regel nur Paare, die schon standesamtlich verheiratet sind.
Kann man kirchlich heiraten, wenn nur eine Person in der Kirche ist?
Ja, in vielen Fällen. Evangelisch reicht es, wenn eine oder einer von euch Mitglied ist. Katholisch braucht es eine besondere Erlaubnis, wenn die andere Person nicht getauft ist. Das Pfarrbüro sagt euch, wie ihr sie beantragt.
Was kostet eine kirchliche Trauung?
Für Kirchenmitglieder ist die Trauung selbst meist kostenlos. Je nach Gemeinde kommen Beträge für Küsterdienst, Orgel, Musik oder Blumenschmuck dazu. Fragt im Pfarrbüro nach.
Wann sollte man die kirchliche Trauung anfragen?
Am besten 10 bis 12 Monate vorher, besonders für Samstage im Sommer. Das Traugespräch folgt meist in den Monaten vor der Hochzeit.
Braucht man bei der kirchlichen Trauung Trauzeugen?
Bei einer katholischen Trauung sind zwei Zeug:innen vorgeschrieben. In der evangelischen Kirche sind sie nicht Pflicht, viele Paare wünschen sich aber welche.
Quellen.
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 1310: Zuständigkeit des Standesbeamten
- Deutsche Rentenversicherung: Kirchliche Heirat ohne standesamtliche Trauung (2022)
- evangelisch.de: 24 Antworten auf häufige Fragen zur Trauung (2026)
- evangelisch.de: Westfälische Kirche stellt Trauung gleichgeschlechtlicher Paare gleich (2019)
- Landeskirche Hannovers: Trauung gleichgeschlechtlicher Paare (Handreichung)
- Codex des kanonischen Rechtes, can. 1108 bis 1123: Eheschließungsform
- Katholische Kirchengemeinde Heilig Kreuz Münster: Informationen für Hochzeitspaare (2026)
- Katholische Kirchengemeinde St. Martinus Bramsche: Handreichung zur kirchlichen Trauung